Abfluss verstopft – Erste Hilfe beim Wasserstau

Das Wasser läuft sehr langsam ab, aus dem Siphon ertönen gurgelnde und blubbernde Geräusche, übel riechende Luftblasen steigen auf und schlussendlich läuft gar nichts mehr. Wenn durch den Rückstau auch noch der Rohrinhalt des Abflusses hochkommt, dann bist du einfach nur noch angeekelt.

Dein Abfluss in der Spüle hat einiges auszuhalten. Kein anderer Abfluss in deiner Wohnung wird derart häufig genutzt und dabei mit Speiseresten, Brotkrümeln, Ölen und Fetten verunreinigt. In seltenen Fällen wird die Spüle zweckentfremdet, indem sie noch zur Reinigung von Schuhsohlen, Katzentoiletten, Blumentöpfen und anderen stark verschmutzten Gegenständen herhalten muss.

Da wird es dich kaum überraschen, dass dir dein Spülen-Abfluss wegen eines solchen Schmutz-Mixes aus Fett, Eiweißen, Sand und Essensresten die rote Karte zeigt. Deine zusätzlich angeschlossene Spülmaschine erhöht den ohnehin schon hohen Leistungsdruck auf den Abfluss.

Jetzt ist guter Rat teuer. Was du tun kannst, um deinen Abfluss wieder flott zu machen, wollen wir in dem nachfolgenden Bericht klären.

Abflussreiniger

Rohrreiniger-Flasche mit neuem Gefahrensymbol GHS08
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Ist der Abfluss verstopft, gilt unser erster Gedanke dem Abflussreiniger. Die chemischen Helfer sind die beliebteste und zugleich bequemste Möglichkeit, “sauber“ aus der Sache herauszukommen. Einfach Granulat, Gel oder Flüssigreiniger in den Abfluss geben, ein bis zwei Stunden warten und alles ist wieder paletti. Die Hände bleiben sauber, der Reiniger frisst sich durch die Ablagerungen und das alles für nur wenige Euro.

Leider sind diese Behauptungen fake-news.  Chemische Mittel dieser Art sind nur für leichte Verstopfungen oder zur Vorbeugung einer bevorstehenden Verstopfung geeignet.  Die Blockaden im Abflusssystem kannst du mit dem bloßen Auge nicht erkennen – sie liegen im Verborgenen.

Aus dem Grund kannst du es zumindest einmal versuchen, deinem Abfluss mit diesen Mitteln auf die Sprünge zu helfen. Es kann aber sein, dass die Ablagerungen hartnäckiger sind oder tiefer in der Wand liegen.

Dann ist die härtere Gangart gefragt.

Wichtig: Vorsicht bei der Dosierung des Abflussreinigers. Einer der Bestandteile von chemischen Reinigern ist Natriumhydroxid. Verbindet sich diese Chemikalie mit Wasser, entsteht Hitze. Ignorierst du die empfohlene Menge in der Anleitung, dann kann die Hitzeentwicklung deinen kompletten Kunststoff-Siphon verformen und unbrauchbar machen.

Der Klassiker: Reinigung mit Pümpel

Schon zu Ur-Omas Zeiten galt der Pümpel als der absolute König unter den Abflussreinigern. Durch das

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Aufsetzen der roten Gummimanschette (Saugglocke) auf die Abflussöffnung entsteht beim Herunterdrücken des Holzstiels ein Unterdruck, der die Ablagerungen in deinem Siphon in Bewegung bringt. Der Schmutz wird gelöst und mit fließendem Wasser aus dem Rohr in die Kanalisation gejagt.

Beim Einsatz des Pümpels erreichst du in den meisten Fällen schon ein akzeptables Ergebnis. Und das völlig ohne chemische Mittel, die unnötig die Kläranlagen und die Umwelt belasten.

Der Pango

Der Pango ist die moderne Entsprechung des klassischen Pümpels. Diese Geräte nutzen ähnlich wie der Pümpel das Prinzip  des Unterdrucks. Mit einem Arbeitsdruck von ca. 4 bar sorgt der Pango mühelos für einen freien Abfluss. Im Lieferumfang sind meistens verschiedene Gummiaufsätze enthalten, die sich passgenau auf die Abflussöffnungen in Spülbecken, Waschbecken oder Duschtassen aufdrücken lassen.

Omas Hausmittelchen

Backpulver
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Zwei weitere Tipps zur Abflussreinigung sind Backpulver/Soda und Gebissreiniger. Leider sind auch diese harmlosen Zutaten nur für kleine Verstopfungen oder zur Prophylaxe geeignet.  Du gibst etwa 100ml Essig zusammen mit 3 EL Backpulver/Soda oder ein – zwei Tabletten Gebissreiniger in den Abfluss. Im Abfluss entsteht Kohlensäure, die den Schmutz auflöst. Zum Schluss alles gründlich mit fließendem Wasser nachspülen. Mit diesen weniger aggressiven Mitteln beugst du wirksam den Verstopfungen vor.

Heißes Wasser

Was die wenigsten wissen ist, dass sich selbst Spülmittel in dem Abflusssystem festsetzen können. Wenn du schon mal ein paar eingetrocknete Spülmittelreste wegwischen wolltest, dann weißt du wir hart Spülmittel werden kann. Dieser Effekt kann auch deinen Abfluss zusetzen.

Kleinere Fettablagerungen, Öle und Spülmittel lassen sich oft schon mit 1 – 2 Litern heißem Wasser beseitigen. Wasserkocher einschalten und anschließend rein damit in den Abfluss.

Danach fließt das Wasser wieder ab.

Reinigungsspirale

Der im täglichen Gebrauch entstehende Schmutz bildet an den Wänden deiner Rohrleitungen Ablagerungen. Diese werden mit der Zeit dicker und der Durchmesser des Abflussrohres verkleinert sich. Zum Schluss bleibt oft nur noch eine trinkhalmgroße Öffnung übrig.

In den meisten Fällen setzt sich diese Entwicklung in dem kompletten Abflusssystem, manchmal sogar bis in die Kellerräume des Hauses fort.

Dass mit diesen Altlasten die gängigen Abflussreiniger überfordert sind, dürfte jedem einleuchten.

Um in allen Abflussleitungen wieder für freie Bahn zu sorgen, müssen Reinigungsspiralen eingesetzt werden. Diese aus gehärtetem Stahl hergestellten Spiralen gibt es für den Hausgebrauch in 3 – 10 Metern Länge.  Für den Profieinsatz kommen fingerdicke Eisenspiralen von bis zu 20 Metern und mehr zum Einsatz. Diese sind allerdings motorgetrieben und werden nur von professionellen Abflussreinigern genutzt.

Durch die Drehbewegungen der Spiralen in der Rohrleitung werden selbst hartnäckigste Ablagerungen gelöst.

Abfluss- oder Sanitärnotdienst

Klempner repariert Waschbecken
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Trifft dich ein verstopfter Abfluss aus heiterem Himmel oder es besteht Gefahr durch überlaufendes Wasser, dann hilft oft nur der Anruf beim Sanitärnotdienst.

Doch Vorsicht – Abzocke droht!

Ein paar schwarze Schafe der Branche nutzen deine Not-Situation schamlos aus. Völlig überteuerte Rechnungen, horrende Anfahrtskosten und andere Fantasiepreise sind nicht selten die Folge.

Hausverwaltungen und ortsansässige Installateure können dir vertrauensvolle Unternehmen nennen, die zuverlässig Arbeiten und mit moderaten Rechnungen überraschen.

 

Vorbeugung

Damit sich keine Öle und Fette im Abflusssystem festsetzen, solltest du Pfannen, Bräter, Backbleche und Töpfe zuerst mit Küchenkrepp auswischen.  Dadurch minimierst du den Anteil der Fette, die ins Spülwasser gelangen.

Es ist zwar so, dass die meisten Fette im warmen bzw. heißem Spülwasser gelöst werden, aber der Schein trügt – sobald dass Spülwasser in den Abfluss und in die kalten Rohre in der Wand läuft, kühlt es extrem ab.  Besonders gehärtete Fette wie z.B. Palmin erstarren und setzen sich in dicken Schichten im Abwassersystem fest.

Abflussgeschwindigkeit

Um zu überprüfen, ob dein Abfluss in Ordnung ist, gibt es einen einfachen Test.  Eine Regel im Installationsgewerbe für Abflüsse besagt, dass das ablaufende Wasser schneller sein muss als das einlaufende. Fülle deine Spüle zur Hälfte mit Wasser. Dann öffnest Du den Abfluss und drehst den Wasserzulauf weit auf. Verringert sich der Wasserstand in deinem Becken, so ist alles in bester Ordnung. Füllt sich die Spüle jedoch noch weiter, dann liegt irgendwo eine Störung vor.

Tipps und Tricks rund um Ersatzteile und Haushaltsgeräte.

Ein Kommentar

  1. Für den Abfluss im Garten haben meine Großeltern immer die Kanalreinigung gerufen. Dass der Abfluss durch das Lauf, welches sich im Herbst ansammelte, verstopft war, war damals keine Seltenheit. Da half auch Soda oder Natron nicht viel. Mittlerweile haben sie ein Sieb über dem Abfluss angebracht, sodass das Laub weggefegt werden kann.

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